Mit Texten 2026 viel Geld verdienen?

2026 Texter werden: Freiheitstraum oder falsche Hoffnung?

Schon als Schülerin hatte ich diesen Traum: beruflich zu schreiben – als Journalistin, Texterin oder Autorin. Damals dachte ich noch nicht ans Geld, ich wollte einfach schreiben, Geschichten erzählen, Ideen auf Papier bringen. Viele träumen heute aus anderen Gründen vom Schreiben: flexibel von zu Hause oder unterwegs zu arbeiten, selbst zu entscheiden, wann und wie viel man schreiben möchte und dabei erfolgreich zu sein. Dahinter steckt oft die Vorstellung, remote ausreichend Geld für ein sorgenfreies Leben zu verdienen.

Ghostwriting, Texten für Kunden oder das eigenständige Veröffentlichen von Büchern werden noch immer als schneller Weg zu gutem Geld beworben. Doch wie realistisch ist das eigentlich für Neueinsteiger? Kann man sich mit Schreiben wirklich ein finanziell unabhängiges Leben aufbauen, oder bleibt der Traum vom schnellen Erfolg auch 2026 eher eine Illusion?

In diesem Beitrag werfe ich einen genaueren Blick auf den Quereinstieg als Texter und darauf, wie realistisch es meiner Meinung nach ist, 2026 ohne Vorerfahrung vom Schreiben zu leben.

Ein Blick zurück: Lernen auf der Textbörse, Erfahrung mit Textbroker

Vor der Corona-Pandemie und lange bevor KI-Tools den Markt veränderten, begannen viele Quereinsteiger auf Plattformen wie Textbroker mit dem Schreiben. Die Bezahlung war gering, gleichzeitig entstand dabei, was damals oft unterschätzt wurde: eine solide handwerkliche Basis. Dazu gehörte, Briefings korrekt zu verstehen, Texte sauber zu strukturieren, Keywords sinnvoll einzusetzen und SEO-Grundlagen praktisch anzuwenden.

Ich selbst kann mich kaum erinnern, wie ich damals auf die Textbörse gestossen bin. Ich schrieb bis dahin vor allem für mein eigenes Wanderprojekt und für eine Vereinszeitung. Wenn ich mich richtig erinnere, bekam ich eine Werbung von Textbroker eingeblendet und fand es spannend, einen Probetext einzureichen und zu schauen, wie er ankommt. Ungeplant legte genau dieser Schritt den Grundstein für meine Karriere als Texterin und Journalistin.

Rückblickend war dies aus meiner Sicht eine der ehrlichsten Möglichkeiten, als Online-Texter einzusteigen. Die Honorare lagen anfangs niedrig, doch wer konstant gute Arbeit lieferte, konnte über Direct Orders höhere Vergütungen erzielen und nach und nach ein kleines Netzwerk an Kunden aufbauen. Mit der Zeit wurde klar, wo die eigenen Stärken liegen und welche Aufträge zum eigenen Profil passen. Ich selbst startete vor rund 15 Jahren bei Textbroker und gründete 2014 mein eigenes Geschäft. Diese Erfahrung war rückblickend wertvoll – nicht wegen des Honorars, sondern wegen des Handwerks, das ich dabei gelernt habe.

Kann man 2026 noch vom Texten leben?

2026 ist es deutlich schwieriger, als Einsteiger vom Texten zu leben. Viele Auftraggeber, die früher mittelmässige Inhalte beauftragt haben, setzen inzwischen auf KI. Die arbeitet schnell, (meistens) fehlerfrei und oft ausreichend gut. Plattformen wie Textbroker existieren weiterhin, doch die Nachfrage nach einfachen, von Menschen geschriebenen Blogartikeln, Produktbeschreibungen und ähnlichen Texten ist stark zurückgegangen.

Scrollt man durch die sozialen Medien, fällt auf, dass der Texterberuf nach wie vor oft als sicherer Weg zu gutem Geld beworben wird. Häufig stammen die Versprechen eines schnellen, lukrativen Einkommens von Anbietern von Kursen oder Coachings. Der Fokus liegt dabei selten auf dem Schreiben selbst. Viele Quereinsteiger geben deshalb schon bald wieder auf: Aufträge kommen nicht automatisch, und wenn doch, reicht die Bezahlung meist nicht aus, um davon leben zu können.

Der Wunsch, remote ein wenig zu arbeiten und am Monatsende ein komfortables Einkommen auf dem Konto vorzufinden, ist in den meisten Fällen nicht realistisch. Um als Texter den Lebensunterhalt bestreiten zu können, braucht es Durchhaltevermögen, Talent, unternehmerisches Denken und ausgeprägte Soft Skills.

Chancen für Quereinsteiger auf dem Textmarkt

Aber ich denke, es gibt weiterhin Chancen, vor allem für Texter, die sich spezialisieren, sich klar von der Masse abheben und langfristige Kundenbeziehungen aufbauen. Aktuelles Wissen über Google-Updates, Suchintentionen und der professionelle Umgang mit KI-Tools sind heute fester Bestandteil des Online-Textens. Wer für Printmedien schreibt, sollte zusätzlich über Kommunikationsstärke, ein gutes Netzwerk und die nötige Empathie verfügen. Gerade in kleineren Nischen oder bei Themen, die KI nur schwer abdecken kann, entstehen echte Möglichkeiten, etwa im Storytelling, bei redaktionellen Inhalten, persönlichen Interviews oder Fachtexten.

Tipps für alle, die 2026 mit dem Texten starten möchten

Wer den Einstieg ins Schreiben wagen möchte, sollte einige Punkte realistisch betrachten:

Handwerk lernen: Texten sollte als Beruf verstanden werden, nicht als Hobby. Entsprechende Aus- und Weiterbildungen online oder vor Ort,  zum Beispiel am MAZ Luzern, sind Grundvoraussetzung.

Netzwerk und Referenzen aufbauen: Neue Aufträge entstehen heute vor allem über Empfehlungen. Gute Referenzen sind oft entscheidender als aggressive Akquise.

Krisen realistisch einplanen: Krankheit, Pandemien oder andere unvorhergesehene Ereignisse gehören zur Realität der Selbstständigkeit. Auch mein eigenes Geschäft lief während der Coronazeit sehr schlecht. Damals hatte ich einen Teilzeitjob angenommen, um über die Runden zu kommen.

Klein anfangen: Auch kleinere Projekte oder Aufträge mit realistischen Honoraren gehören zum Lernprozess. Sie helfen, Routine aufzubauen und den Markt praxisnah kennenzulernen.

Geduld haben: Schreiben macht Spass, doch ein stabiles Einkommen entsteht nicht über Nacht. Den sicheren Job zu kündigen, um kurzfristig vom Schreiben zu leben, ist in den seltensten Fällen eine gute Idee.

Wer 2026 ernsthaft als Texter starten möchte, sollte den aktuellen Job zunächst behalten, sich langsam einen Kundenstamm aufbauen und Schritt für Schritt wachsen.

Fazit

Texter zu werden ist auch 2026 möglich, aber kein einfacher Weg. „Mit Schreiben reich werden“ ist ein beliebtes Marketingversprechen, um Kurse oder Coachings zu verkaufen. Wer Freude am Schreiben, Lernbereitschaft, Geduld und unternehmerisches Denken mitbringt, kann mit Schreiben Geld verdienen, vorerst als Nebenjob, um Erfahrungen zu sammeln und Referenzen aufzubauen. So lässt sich Schritt für Schritt prüfen, ob der Sprung in die Selbstständigkeit passt, ohne sich finanziell zu übernehmen, während gleichzeitig die nötigen Grundlagen erlernt werden.

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